Magazin «X»

Sommer / Herbst 2020

Das Magazin für neues Bewusstsein!

Einzelpreis 12 CHF.

 

Die erste Ausgabe des Magazin «X» bringt Sie zurück zu sich selbst, räumt mit den Irrtümern um den Flow auf und wie man sich wieder für die eigene Kreativität öffnet. 

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«X» - Das Magazin für neues Bewusstsein

Die 10 grössten Flow-Irrtümer

Woran erkennen Sie, dass Menschen im flow sind? Aus meiner Sicht gibt es vier Anzeichen, abhängig von Ihrer Perspektive...

Dr. Simon Sirch,
'
  • Die Arbeitsschritte gehen reibungslos und flüssig ineinander über. Es läuft ohne Widerstand und „wie am Schnürchen”.
  • Die einzelnen Aktionen des Teams und die Bewegungen der Personen sind harmonisch und wirkungsvoll. Im Sport spricht man dann von „Bewegungsfluss”.
  • Sie spüren Teamgeist und Leidenschaft, wenn Sie dem Team oder der Person zusehen. Sie werden von der Begeisterung angesteckt oder bekommen sogar      Gänsehaut.
  • Wenn Sie selbst im flow sind, sind Sie voll bei der Sache, enorm flexibel, und gehen total in Ihrer Tätigkeit auf. Sie erleben einen reizvollen Zustand, der als flow-Erlebnis erforscht wird.

flow-Erleben ist ein Bewusstseinszustand.

Die Wissenschaft kennt verschiedene dieser Zustände. Stress oder Traum zum Beispiel sind natürliche Bewusstseinszustände, ebenso wie das flow-Erlebnis.
Jeder Mensch kennt Stress, jeder Mensch träumt, und jeder Mensch kann flow erleben. Wir alle kennen diesen Zustand.

Sie kennen den flow-Zustand. Aber erkennen Sie ihn auch?

Viele Menschen verwechseln flow-Zustände noch immer mit Spaß, angenehmen Emotionen oder rätselhafter Esoterik. Das ist ein Fehler. Fallen Sie nicht darauf rein.
flow ist ein wissenschaftlich nachgewiesener positiver Bewusstseinszustand zwischen Gipfelerfahrung (peak experience) und Höchstleistung (peak performance).
 


So viel Verwirrung um einen Zustand

Vor zehn Jahren stolperte ich über das flow-Phänomen; als Wissenschaftler. Es hat mich nie mehr losgelassen, aber oft frustriert. Wir alle kennen diesen Zustand, ab und zu — doch wie kommen wir wieder rein? Mein flow blieb lange dem Zufall
überlassen. Recherchen ergaben Widersprüche. Das flow-Gequatsche nervte mich. Ich ließ mich in die Irre führen. Ihnen will ich das ersparen.

Irrtum 1: flow bedeutet für jeden was anderes

Wenn jeder etwas anderes unter "flow" verstehen würde, dann könnten wir uns darüber nicht unterhalten. flow wird von allen Menschen ähnlich erlebt, sonst gäbe es keinen gemeinsamen Nenner und erst recht keinen Forschungszweig dazu. Wegen der inflationären Verwendung verschwimmt allerdings die Bedeutung des Wortes "flow". Doch sie lässt sich bestimmen: Der Duden nennt drei Bedeutungen — ich unterscheide vier. Die vier flow-Arten spielen zusammen, doch direkt glücklich macht nur eine: das flow-Erlebnis.

Irrtum 2: flow ist eine Emotion

Oft sprechen wir vom „flow-Gefühl“. Genau betrachtet ist flow aber keine Emotion wie Angst oder Freude, sondern ein umfassender Zustand des Bewusstseins, in dem Sie ganz im Moment aufgehen und völlige Klarheit erleben, frei und spontan handeln, sich in Kontakt und als wirkungsvoll erfahren.
Ohne Zweifel löst das positive Emotionen aus! Aber Glücksgefühle sind nicht das flow- Erlebnis selbst, sondern eine willkommene Begleiterscheinung. Der flow-Zustand, der direkt glücklich macht, ist mehr als eine Emotion.

Irrtum 3: flow liegt im Außen

Im Anschluss an die Forschungslinie von Mihály Csíkszentmihályi ist mit flow ein Erlebnis gemeint. Erlebnisse finden nicht draußen in der Umwelt statt, sondern geschehen per Definition "in uns". Erlebnisse sind subjektiv. Der Ursprung des flow-Erlebens liegt demnach in unserem Innen. Äußere Faktoren sind wichtige Stellschrauben, aber sie sind nicht das flow-Erlebnis.

Irrtum 4: flow gibt es nur bei Tätigkeit X

Die Behauptung, dass flow-Erlebnisse nur bei speziellen Tätigkeiten auftreten, ist nicht haltbar. flow kann prinzipiell bei jeder Betätigung erlebt werden. Doch in der Tat scheint es Aktivitäten zu geben, die flow begünstigen: so genannte flow-Aktivitäten.

 

Wenn mehr Menschen leichter in den flow kommen würden, wie würde das die Welt verändern?
– Dr. Simon Sirch

 

Irrtum 5: flow passiert im Kopf

Vor allem die Leistungspsychologie begreift flow als mentales Phänomen und verortet es "im Kopf". Diese Sichtweise wird allerdings dem Stand der Bewusstseinsforschung nicht gerecht. Um flow zu verstehen und zu beeinflussen, müssen wir neben der mentalen Ebene auch die körperliche und spirituelle Ebene berücksichtigen. Das sehen sogar flow-Forscher an Universitäten ein.

Irrtum 6: flow ist Profis vorbehalten

flow ist keiner Elite vorbehalten, sondern radikal demokratisch. Jeder kann flow erleben, vom Kind bis zum Greis. Ein natürlicher Bewusstseinszustand braucht kein besonderes Fertigkeitsniveau. Zugleich wissen wir, dass hohe Kompetenz in einer Tätigkeit die Häufigkeit und Intensität von flow-Erlebnissen während dieser Tätigkeit erhöhen kann. Davon bleibt jedoch unberührt, dass jeder zum flow-Profi werden kann.

Irrtum 7: flow ist individuell

Hier müssen wir genau hinsehen: "in-dividuell" bedeutet auch "un-teilbar". Aber flow trennt nicht, sondern verbindet. flow-Erlebnisse lassen sich sehr wohl miteinander teilen — vor allem dann, wenn wir auf ähnlicher Wellenlänge schwingen. Victor Turner spricht von "shared flow" oder Communitas. Das Individuelle an Ihrem flow zeigt sich an der einzigartigen Kombination und Ausprägung der Bedingungen, die Ihr flow-Erleben braucht.

Irrtum 8: Im flow bringen Sie maximale Leistung

Sagt das Ihr Chef? — Sorry, das stimmt so nicht! Im flow erbringen Sie nicht maximale, sondern optimale Leistung. Im flow arbeiten wir freudevoll und mühelos; an der Leitungsgrenze brennen wir bald aus. Nach einer Höchstleistung sind Sie erschöpft und brauchen Ruhe. Nach einem flow-Erlebnis sind Sie erfüllt und wollen mehr. Interessanterweise belegt die Neurowissenschaft, dass im flow die Wahrscheinlichkeit von Leistungsspitzen zunimmt und Problemlösen leichter gelingt.
 


Irrtum 9: flow ist Meditation

Nein! — Weil flow ist ein Bewusstseinszustand und Meditation ist eine Praxis, die Bewusstseinszustände trainiert. Zwischen meditativen Erfahrungen und flow- Erlebnissen gibt es Überschneidungen, aber auch Unterschiede. Einer besteht darin, dass man bei einer Meditation kaum körperlich aktiv ist und die Aufmerksamkeit nach innen lenkt, während flow-Erleben Aktivität erfordert und die Aufmerksamkeit sowohl die Umwelt als auch die Innenwelt umfasst.

Irrtum 10: flow kann man kaufen

Ein Wunschtraum... und ein schlechtes Versprechen. Das flow-Erlebnis ist kein materielles Produkt. Bewusstseinszustände lassen sich weder in der Fabrik produzieren noch im Supermarkt kaufen. Manche nehmen Drogen, um kurzzeitig ihr Bewusstsein zu erweitern. Aber die Droge ist nicht das Erlebnis und keine Substanz garantiert einen „guten Trip“.

Kein Irrtum: flow-Bedingungen kann man schaffen

Was können wir dann tun, um dem flow die Tür zu öffnen? Der Schlüssel zum "Geheimnis des Glücks" — so nennt es die flow-Psychologie — liegt in seinen inneren und äußeren Bedingungen. flow-Erlebnisse lassen sich nicht herstellen, aber Bedingungen lassen sich schaffen. Optimale Bedingungen maximieren die Wahrscheinlichkeit für flow.
flow in concept hilft dabei. Zum Beispiel mit dem flow4x4 Modell oder dem Transformativen Framework.

«X» - Das Magazin für neues Bewusstsein

Kinder, die Tyrannen sind gibt es nicht...

...wohl aber Erwachsene, die sich tyrannisch Kindern gegenüber verhalten. Oft werden Kinder in Artikeln oder von der Gesellschaft als „Tyrannen“ dargestellt. Kinder sind aber keine kleinen "Tyrannen".

Katia Saalfrank,
'

Menschen, die so urteilen, stecken offensichtlich selbst fest in erlebten Bindungs- und Beziehungsmustern und können weniger auf das sehen, was Kinder sind und von uns Erwachsenen brauchen.

Kinder wissen nichts über Tyrannei und wenn sie anstrengend werden, sind sie dabei Strategien zu suchen und zu nutzen, um sich ihre emotionalen Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das ist lebensnotwendig, häufig sogar überlebensnotwendig.

Wenn Eltern die Führung abgeben oder in dieser unsicher sind, zeigen Kinder klarer Signale. Diese werden als massiv wahrgenommen und so warnen Kinderpsychiater davor, in dem sie Worte nutzen, die bestimmte Bilder in den Köpfen der Eltern und anderen Erwachsenen entstehen lassen:

So sprechen sie über diese Kinder als „Tyrannen“ und raten in diesem Zusammenhang gerne dazu, dass Eltern, sich klar von ihren Kindern „abzugrenzen“ hätten, ihnen früh beibringen sollten, was „richtig“ und was „falsch“ ist und den Kindern sagen sollten, was sie tun oder lassen sollen.

Mal abgesehen davon, dass ich es für absolut destruktiv halte, Kinder so zu bezeichnen, halte ich es und auch für unangebracht, Eltern in dieser Weise zu verunsichern.

Denn, dass manche Eltern auf diese Weise mit Kindern umgehen, ist darauf zurückzuführen, dass Eltern sich ein neues Verhältnis zum Kind wünschen. Sie probieren deshalb neuartige Wege aus und versuchen, aus den oft selbst erlebten autoritären Strukturen auszubrechen. Es ist ein Versuch, es anders zu machen. Das ist aus meiner Sicht grundsätzlich positiv zu sehen und ich danke allen Eltern, die es anderes machen wollen, als über trennende Maßnahmen (Sanktionen, Strafen, Schimpfen, Drohen, Meckern).

Umso bedauerlicher ist es, dass über Eltern und ihre angeblich tyrannischen Kinder so abfällig geurteilt und das Eltern-Kind-Verhältnis stark abgewertet wird. Dies beunruhigt Erwachsene offenbar so sehr, dass fast reflexartig der Ruf nach alten Werten wie Disziplin und Respekt laut wird.

Damit wird der Versuch eines Umdenkens auf Elternseite häufig wieder im Keim erstickt. Verunsicherte Eltern versuchen dann mit schlechtem Gewissen, ihre Kinder wieder „in den Griff“ zu bekommen, um sich nicht anhören zu müssen, bei der Erziehung ihrer Kinder „versagt“ zu haben.

Ich kann nur hoffen, dass diese Tendenz nicht stärker wird, und gleichzeitig Eltern nur ermutigen, sich nicht verunsichern zu lassen, und sie einladen, sich auf einen Prozess einzulassen, genauer hinzuschauen, was hinter dem Beziehungsgeflecht wirklich liegt.

Eltern haben oft verschiedene Vorstellungen von sich und ihrem Kind, die dazu führen, dass sich ein solches Beziehungsgeflecht entwickelt. Folgende Aspekte können dabei eine Rolle spielen:

- Das Kind ist unser gemeinsames „Projekt“.

- Das „Projekt“ erhält unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

- Konflikten und Frustrationen gehen wir um jeden Preis aus dem Weg.

- Wir wollen allzeit positive Vorbilder sein, ruhig und unaufgeregt reagieren.

 

 

Wer glaubt, auf diese Weise würden Kinder umsorgt und umhegt und es fehle ihnen an nichts, der verkennt deren seelische Situation, denn tatsächlich fehlt es ihnen an elterlicher Fürsorge und emotionaler Sicherheit in der Beziehung. Diese Eltern stehen kaum in einem echten Kontakt, in einer authentischen Beziehung zu ihren Kindern. Sie zeigen sich nicht als Persönlichkeiten mit ihren eigenen Bedürfnissen und entwickeln sich so, in dem Glauben, fürsorglich und liebevoll zu handeln, zu einem regelrechtem „Servicepersonal“ für ihre Kinder. Servicepersonal, das wie in einem Hotel zwar allzeit freundlich und zuvorkommend auftritt, jedoch vorwiegend eine professionell-sachliche, servicebezogene Beziehung zum Gast eingeht. Ziel ist es, dass der Gast sich vor allem wohlfühlt. Das ist so gesehen auch das vorrangige Ziel der „Serviceeltern“. Ein „Nein“ wird vermieden, jeder Auseinandersetzung wird ausgewichen, und alle Wünsche werden deshalb umgehend erfüllt – in der Hoffnung, den Kindern Frustrationen zu ersparen.

In den ersten Lebensjahren wirkt das oft noch umsorgend, mütterlich/väterlich und einfühlend. Später jedoch wird sichtbar, dass ein solcher Umgang stark auf Kosten der Entwicklung der Kinder geht. Die Kinder entwickeln sozial unverträgliche Züge, sie stellen ihre momentanen Bedürfnisse und unmittelbaren Wünsche in den Mittelpunkt und verlangen deren sofortige Befriedigung.

Dies aber nicht, weil sie „Tyrannen“ oder Egomanen sind, sondern weil die Grenzen der Erwachsenen, und damit das gesamte Gegenüber, nicht sichtbar sind. Den Kindern entgehen so wichtige Beziehungserfahrungen und sie geraten auch in anderen sozialen Beziehungen in Konflikte, weil sie keine Erfahrungen mit Gefühlen und Bedürfnissen anderer Menschen haben.

Da solche Eltern sich derart zurücknehmen und ihre Persönlichkeit in allen Facetten, die zum Miteinander dazu gehören, nicht zeigen, können Kinder nicht erfahren, dass andere Menschen auch Bedürfnisse und eigene Standpunkte haben. Durch die „Servicehaltung“ bleiben Eltern konturlos und nehmen für Kinder keine klare Gestalt an. Kindern fehlt dann ein deutliches Gegenüber, welches das kindliche Verhalten spiegelt und beantwortet. Was fühlen Eltern denn wirklich? Was denken sie? Da sie sich vorgenommen haben, immer freundlich, zurückgenommen und beherrscht zu agieren, bleibt ihre eigentliche Haltung verborgen. Kinder erleben dann im Kontakt kein Gegenüber, keine klaren Positionierungen und so auch keine oder wenig Orientierung. Diese Kinder bekommen Aufmerksamkeit und Zuwendung, dies jedoch in einem Übermaß. Und: Sie erhalten keine brauchbaren Antworten, weder auf der emotionalen noch auf der Handlungsebene. Für sie ist nicht erkennbar, was ihre Eltern eigentlich wollen und welche Position sie vertreten.

Kinder erlebt so einen Mangel an Geborgenheit und echter Zuwendung, was sie erheblich verunsichert. Diese Verunsicherung zeigt sich für Außenstehende deutlich in der ständigen Unzufriedenheit und der vermeintlich "herrischen" Art und Weise, die diese Kinder oft an den Tag legen. Was sich für uns als "sozial unverträgliches Verhalten" zeigt, ist im Grunde ein verzweifelter Versuch dieser Kinder, ihren emotionalen Mangel zu kompensieren.

Was Kinder also NICHT brauchen, sind Eltern und Erwachsene, die Maßnahmen einsetzen, um das Verhalten an ein von ihnen gewolltes anzupassen.

 

"Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen."

 – Johann Wolfgang von Goethe

 

Denn wenn wir das Verhalten von Kindern mit Strafen und Konsequenzen anpassen, verlieren Kinder den Zugang zu ihren eigenen seelischen Impulsen und somit auch zu ihren wichtigen emotionalen Grundbedürfnissen.

Wenn Kinder einen strafenden und sanktionierenden Umgang erfahren, werden sie diesen verinnerlichen und weitergeben. Dann werden sie unter Umständen im Erwachsenenalter tatsächlich zu Tyrannen. Tyrannen, die andere klein machen müssen, um sich selbst als stark und mächtig zu fühlen und daraus ihren Selbstwert gewinnen - vielleicht kennt Ihr auch solche Erwachsene? Sie sind überall zu finden.

Lassen wir uns also nichts einreden und keine Angst machen: Wir brauchen keine Angst vor »Tyrannenkindern« zu haben, wenn wir Bindung und die konstruktive Beziehung im Umgang mit unseren Kindern achten und ihre Gefühle und emotionalen Grundbedürfnisse berücksichtigen. Vielmehr werden wir dann Kinder haben, die ihre emotionalen Grundbedürfnisse und Emotionen kennenlernen und sich deshalb als Erwachsene später gut regulieren und für sich sorgen können – psychisch und physisch.

Kinder brauchen Führung – ohne die sind sie verloren, ja. Die Frage ist nur, wie die Qualität dieser Führung beschaffen ist und für welche Form der Führung ich mich als Erwachsener entscheide. Ist es eine autoritäre, sanktionierende Führung, eine die auf das Verhalten und Symptome orientiert ist und die Persönlichkeit des anderen ignoriert oder eine, die wertschätzend, vertrauensvoll auch die Emotionen und die Bedürfnisse des anderen berücksichtigt? Es ist unsere Entscheidung!

 

 

Über die Autorin

Katia Saalfrank ist Diplom-Pädagogin, Musiktherapeutin, Eltern- und Familienberaterin sowie erfolgreiche Ratgeber-Autorin. Sie arbeitet bindungs- und beziehungsorientiert in eigener pädagogisch-psychologischer Praxis in Berlin und stellt vor allem die konstruktive Beziehung zwischen Eltern und Kindern sowie die emotionalen Entwicklungsprozesse der Kinder in den Mittelpunkt. Von 2004 bis 2011 hat sie als Pädagogin in der RTL-Sendung Die Super Nanny Familien in schwierigen Situationen gecoacht. Katia Saalfrank ist Mutter von vier Söhnen und lebt mit ihrem Mann in Berlin.

www.katiasaalfrank.de 
www.familiensprechstunde-saalfrank.de 
www.kinderbesserverstehen.net 
 

«X» - Das Magazin für neues Bewusstsein

Auffälliges Verhalten von Kindern

Der Umgang mit auffälligem Verhalten von Kindern und dem Einsatz von "Erziehungsprogrammen", Schlaflern-, Trennungs- und Essenstrainings.  

Katia Saalfrank,
'

Kinder verhalten sich in einer krankmachenden Umwelt oft sehr „gesund“. So merkwürdig es klingt: Gesund deshalb, weil ihr kleines Nervensystem Strategien entwickelt (entwickeln muss) um in einer für sie schwierigen Umgebung quasi zu überleben.

Alle Menschen, große und kleine, haben Grundbedürfnisse. Um zu überleben, müssen diese zu einem Mindestmaß erfüllt sein. Dabei kann man zwischen körperlichen und emotional-seelischen Bedürfnissen unterscheiden. Zu den körperlichen Bedürfnissen zählen zum Beispiel Essen, Trinken und Schlafen. Unseren Gefühlen liegen verschiedene emotionale Grundbedürfnisse zugrunde. Wir wissen heute aus der Psychologie und Psychotherapie, wie wichtig es ist, dass Menschen einen guten Zugang zu ihren emotionalen Grundbedürfnissen und deren Erfüllung haben.

Als Erwachsene sind wir selbst verantwortlich dafür, unsere eigenen Bedürfnisse zu stillen und für ein ausreichendes Gleichgewicht zu sorgen. Je besser der Zugang zu unseren Bedürfnissen ist und umso mehr wir gelernt haben, auf uns selbst zu achten, die Grundbedürfnisse zu erfüllen oder eine Schieflage angemessen auszugleichen, desto glücklicher und gesünder können wir in unserem Leben sein.

Kinder können das noch nicht selbst. Sie sind auf die Zuwendung und Co-regulation von Erwachsenen angewiesen. Bleibt dies aus, geraten sie zunehmend in eine tiefe seelische Not, denn der Mangel auf emotionaler Ebene wird größer und größer – Kinder entwickeln dann die erwähnten „Überlebensstrategien“.

Diese Überlebensstrategien werden häufig von der Umwelt und aus meiner Erfahrung auch oft von Fachleuten missverstanden und nicht im Sinne von Bindung und Beziehung und der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gedeutet, sondern missinterpretiert.

So passiert es, dass das wertvolle Signal, was Kinder mit ihrem für die Umwelt oft sehr anstrengenden Verhalten zeigt und die tiefe innere Not der Kinder nicht gesehen bzw. übersehen werden.
 


Dabei ist das Verhalten als ein in sich sinnvoller, wesentlicher und wertvoller Hinweis auf einen innerseelischen Zustand, genauer gesagt auf ein ungestilltes Grundbedürfnis (z.B. Sicherheit, Verbundenheit, Zugehörigkeit uva.) zu lesen. Das Kind weist also mit seinem – für die Umwelt als auffällig wahrgenommenem Verhalten – auf eine tiefliegende, emotionale Notsituation hin.

Wenn die Umwelt das Kind in dieser Not nicht erkennt, das kleine Systemchen nicht co-reguliert und so die wesentlichen emotionalen Bedürfnisse (z.B. Trennung, statt Sicherheit oder auch Ausschluss, statt Verbindung durchsetzt) nicht erfüllt, bleibt das Kind – emotional völlig überfordert – alleine und mit seinen unerfüllten Bedürfnissen verzweifelt zurück.

Wird also das Verhalten nicht als wertvolles Signal, sondern lediglich als störend und unerwünscht eingeordnet und bewertet, werden Maßnahmen zur Verhaltensanpassung gesucht, die das Verhalten abstellen und ein erwünschtes Verhalten beim Kind etablieren sollen und hierbei Verhaltenstrainings, Schlaf- und Esstrainings eingesetzt, dann lernt das Kind unter Umständen zwar, sich anzupassen und sich entsprechend zu verhalten, es lernt jedoch nicht, sich selbst zu regulieren. Sein Nervensystem wird so weiterem Stress (Trennung, statt Sicherheit, Ausschluss statt Verbindung) ausgesetzt sein, der Zustand verfestigt sich, das System resigniert. Dabei braucht das Kind eine Form von "Nachnähren" der emotionalen Grundbedürfnisse, es braucht Sicherheit und Beruhigung, zugewandte Bindungs- und Bezugspersonen, zuverlässige Bindung und konstruktive Beziehung und möglichst viel Erfahrung mit Zufriedenheit und dem wunderbaren satten Gefühl, angenommen und geliebt zu sein, so wie man ist.

Es ist unsäglich, dass diese wesentlichen entwicklungspsychologischen Erkenntnisse, die Forschungsergebnisse aus der Bindungs- und Säuglingsforschung, aus der Neurobiologie und der Trauma- und Therapieforschung an vielen Stellen ignoriert und sogar gegen diese nach wie vor und ganz bewusst agiert wird oder dass sogar öffentlich- rechtliche Sender dazu beitragen, dass völlig veraltete und schädliche Methoden weiterhin als "Geheimnis der guten Erziehung" in unserer Gesellschaft verankert und so erhalten werden. NEIN!


Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele

 – Fjodor Michailowitsch Dostojewski 


Das Geheimnis guter Erziehung ist vor allem eine gute Beziehung, die auf einer sicheren Bindung zu unseren Bezugspersonen basiert und eine feinfühlige Begleitung der Kinder durch verantwortliche Erwachsene! Dass das nicht immer leicht ist, wissen alle Eltern und das hat vor allem damit zu tun, dass wir als Eltern selbst nicht immer eine feinfühlige Begleitung hatten und liegt nicht im Kind an sich begründet.

Es bleibt festzuhalten: Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, verantwortlich mit unserer Macht umzugehen und sie nicht zu missbrauchen, um Kinder an ein von uns gewolltes Verhalten anzupassen.

Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene sich für ein gewaltfreies und gesundes psychisch und physisches Aufwachsen von Kindern einzusetzen - gerade im klinischen und therapeutischen Setting.

Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, immer wieder feinfühlig nachzuspüren, welche emotionalen Bedürfnisse hinter einem Verhalten von Kindern liegen, das Verhalten im Sinne der emotionalen Bedürfnisse zu lesen, es zu verstehen und entsprechend in Verbindung, wertschätzend - auch und gerade im Konflikt - darauf zu reagieren.